Fancy ECG – Hätten Sie es gewusst?

Time is limited. Leider habe ich dies die letzten Tage mal wieder am eigenen Leib gespürt. Die Organisation des Adventssymposiums (zu dem ALLE Interessierten Ärzte, Pflegenden, MFAs, Rettungsassistenten, Studenten etc.) eingeladen sind, wirft einen langen Schatten. Dank der überdurchschnittlichen Leistungsbereitschaft der Organisatoren, werden wir dies auch dieses Jahr stemmen können.

Also: Am kommenden Freitag und Samstag ist es soweit. Es gibt auch Eintrittstickets vor Ort! Nun aber doch wieder ein fachliches Thema. Ein 12-Kanal EKG, welches mir heute über den Weg “gelaufen” ist. Weiterlesen

Low-risk Chest Pain – Fortsetzung

Zunächst einmal Frage 1:

Es gibt KEINEN Hinweis für eine erhöhte Mortalität bei Patienten ohne Zeichen kardialer Dekompensation (die wir in der Konstellation sicher nicht entlassen), wenn diese nach Hause gehen (siehe Pope et al. Missed diagnoses of acute cardiac ischemia in the emergency department. N Engl J Med. 2000 Apr 20;342(16):113-70)

Ältere Studien die höheres Risiko suggerieren sind aus der Vor-hs-Trop Ära (d.h. damalige instablie AP´s wären nach heutigem Wissen NSTEMIs).

Zu Frage 2: Leider eignet sich ein Belastungs-EKG nicht um das bereits zuvor verschwindend geringe Risiko eines akuten Events weiter zu senken. Auch die Einschätzung einer Notwendigkeit einer PCI gelingt nicht ( Arch Intern Med. 2012 Jun 11;172(11):873-7), bei den durchgeführten invasiven Ansätzen zeigten sich zum Teil sogar höhere Moralitäten ( Cochrane Database Syst Rev. 2010 Mar 17;(3):CD004815).

Und nun? Es gibt an sich keine Gründe dafür diese Patientengruppe aufzunehmen und auch keine dafür statt einer Überwachung ein ambulantes Belastungs-EKG anzuordnen…

Zur letzten Frage: Die Umgangsweise mit Risiko bleibt kontrovers…

Wie sehen Sie dies?

Fancy EKG – Die Patientin mit akuter Atemnot

Danke für die exzellente Rückmeldung zu unserer Rubrik  ”Fancy EKG”. Die EKG-Rätsel werden offensichtlich sehr gerne angeschaut. Und sie sind auch spannend. So auch folgender Fall:

Vorstellung einer 79 jährigen Patientin mit akuter Atemnot und Husten in der Notaufnahme. In der Vorgeschichte sind folgende Aspekte erwähnenswert: Diabetes mellitus Typ II, paroxysmales Vorhofflimmern, Z.n. Bauch-Op bei Sigmadiverticulitis vor 4 Jahren. Bekannte art. Hypertonie und bekannte Niereninsuffizienz (offensichtlich hypertensiv bedingt)

Vitalparameter bei Vorstellung:

Atemfrequenz: 28/min; O2-Sätt. 90%, HF 91/min, BD 145/80 mmHg,

GCS 15, Temp. 37.5 °C

Bei der Aufnahme wird folgendes EKG geschrieben (ich bitte die schlechte Qualität zu entschuldigen, kann im Hektik passieren; Schreibgeschwindigkeit 25mm/sec; HF 64/min), zu dem ich folgende Fragen habe:

  1. Beschreiben Sie kurz das 12-Kanal EKG
  2. Welche Arbeitshypothesen leiten Sie aus der Beschwerdesymptomatik und dem EKG ab
  3. Möchten Sie weitere Untersuchungen durchführen? Welche?
  4. Was wäre das weitere Procedere?

 

 

 

 

Fancy EKG – Der junge Patient mit “Chest Pain”

Asche auf mein Haupt. Ich wurde schon mehrfach in der Klinik angesprochen, um endlich die Lösung eines früheren EKG-Beispiels zu geben. Ich hatte das EKG eines Patienten mit Unwohlsein präsentiert. Der Patient hatte eine bekannte Vorgeschichte einer KHK mit Z.n. Infarkt. Rein von der Vortestwahrscheinlichkeit müssen Sie in mehr als 95% der Fälle von einer ventrikulären Tachykardie ausgehen. Und es war auch eine VT.

Da der Patient hämodynamisch wackelig war (“kryptischer Schock”) haben wir uns für eine prozedurale Kurznarkose mit Etomidate entschieden und erfolgreich kardiovertiert. Anschließend wurde der Patient weiterhin im EKG monitorisiert und die Indikation zu einem AICD gestellt.
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Notfallmedizin-Links: Dr- Smith´s ECG Blog

In der Rubrik Linktip beginne ich eine kleine Reise durch die von mir bevorzugten Web-Ressourcen der Notfallmedizin. Ich focussiere mich im Wesentlichen auf Inhalte der Klinischen Notfallmedizin, aber auch Freunde der Präklinik werden den einen oder anderen interessanten Link finden. Im Gegenzug zu der Linkserie auf meiner vorherigen Website www.nofame4u.de möchte ich die gewählten Links jeweils mit einem dort präsentierten inhaltlichen Beitrag verknüpfen.

Im gegenwärtigen Algorithmus zahlreicher Notaufnahmen zum ACS werden die Patienten, die mehrmalige negative hsTroponin-Werte zeigen oft stiefmütterlich behandelt. In den Zeiten vor hsTrop stürzten sich alle auf die STEMIs, heute focussieren wir uns auf die NSTEMIs, was aber ist mit den Anderen, die derzeit unter instabile AP verbucht werden?

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Reduzierung der Sterblichkeit bei STEMI

Sehr interesaant finde ich eine aktuelle Studie, die in JAMA publiziert wurde.

Die Autoren gehen der Sache nach, wie es bei Patienten mit STEMI zu einem Rückgang der Sterblichkeit gekommen ist: Die Perfektion der Reperfusiontherapie scheint hier eine große Rolle zu spielen. Weiterlesen

Fancy EKG – Patient mit Unwohlsein

Es stellte sich ein 80 jähriger Patient in der Notaufnahme vor, nachdem er schlecht geschlafen habe. Ihm sei seit dem Zubettgehen “schlecht” und “unwohl”. Ansonsten keinerleit Beschwerden, er komme nicht so richtig in die Höhe.

Bei der Vorstellung in der Notaufnahme zeigen sich folgende Vitalparameter:
AF 24/min
HF 142/min
RR 95/70mmHg
Temp. 36.3 Grad
Sättigung unter Raumluft 96%

Der Patient ist wach, ansprechbar, orientiert. In der fokussierten Untersuchung Cor/Pulmo/Abd unauffällig (außer der Tachykardie), Extremitäten warm, keine Diaphorese.

Vorgeschichte:
Bypassoperation nach Infarkt Ende der 1990er Jahre, z.n. SM-Implantation bei Sick-Sinus-Syndrom 2006 (DDD). vorbekanntes kleinzelliges Bronchial-CA, frgl. KM-Unverträglichkeit

Dann wird Ihnen folgendes EKG vorgelegt:

Und hier Ihre Aufgaben:
Bitte beschreiben Sie das EKG
Wie interpretieren Sie es ihm Kontext
Leiten Sie therapeutische Schritte ein?
Nennen Sie ihre Vorgehensweise

Fancy EKG (Lösung) – Der Patient mit Synkope

Nun, vor kurzem hatte ich Ihnen ein wunderliches EKG im Blog gezeigt. Dieser Post hatte große Zugriffszahlen und natürlich auch ein paar Kommentierungen. Die Lösung lautet …..


Das EKG war verpolt! Nach dem erneuten Schreiben des EKGs zeigt sich folgender Befund:

Irgendwie wirkt dieses EKG unaufgeregt und normal. Die Arbeitsdiagnose einer Reflexsynkope wurde gestellt, und der Patient ambulant weiterbetreut. Welche Folgen doch so ein verpoltes EKG nach sich ziehen kann!

Zusammenfassend ist es extrem wichtig, bei “komischen EKGs” auch nochmals auf die richtige Anlage zu achten! Die Interpretation des EKGs hat den Diensthabenden einiges Kopfzerbrechen bereitet. Deshalb: Schreiben Sie das EKG nochmals und achten Sie auf die korrekte Anlage der Elektroden!

Danke für´s mitmachen! Hat Spass gemacht und ich hoffe, demnächst wieder spannende Sachen präsentieren zu können.

YEP – Atypische und typische Symptome beim ACS

Das Diagnostizieren eines akuten Myokardinfarktes spielt in der Akutmedizin eine entscheidende Rolle.
EKG, kardiale Marker und Herzecho sind bei der Diagnosestellung nicht wegzudenken. Aber bei welchem Patienten? Häufig stellen sich Patienten mit atypischen Beschwerden vor, die primär gar nicht als ACS identifiziert werden:
Erst vor kurzem hatten wir wieder einen Fall, dass eine Patientin mit Schwindel (normaler Blutdruck) und entgleistem Diabetes mellitus Typ I (Einweisungsgrund) vorstellig war, und ein EKG erst verspätet geschrieben wurde (da es ja klinisch keinen Hinweis auf ACS gab). Beim Nachweis von ST-Elevation in II, III; aVF ging natürlich alles hurtig.
Es muss also zu allererst die Arbeitshypothese akuter MI bzw. ACS formuliert werden. An dieser Stelle kommen die sogenannten „Leitsymptome“ ins Spiel. Eine interessante Studie aus dem Jahr 2010 (erschienen in der Resuscitation) nimmt  eben diese unter die Lupe und kommt zu einem überraschenden Ergebnis:
Einige „atypische“ Symptome (wie z.B. Ausstrahlung in den rechten Arm) machen das Vorliegen eines Infarktes wahrscheinlicher als „klassische“ Symptome wie der vermeintlich „typische“ linksthorakale Schmerz.
Hier gilt es  also einmal mehr, sich von liebgewonnen Ansichten zu verabschieden. „Murder your darlings“, auch bei der Diagnose „akuter Myokardinfarkt“.

Tox und EKG Update: Wann wird eine TCA Intoxikation gefährlich?

Haben Sie sich schon mal gefragt, wie Sie im EKG erkennen können, ob ein Patient mit einer TCA Intoxikation gefährdet ist (mit allen Unschärfen natürlich). Sicherlich werden Sie wie viele andere Kollegen auch antworten …..

Sie werden sicherlich antworten: Die QTc Verlängerung ist ein guter Prädiktor für ungünstige Endpunkte (Rhythmusstörungen, schwere Bewusstlosigkeit etc.). Leider nicht allein. Es gibt noch andere Merkmale auf die zu achten ist! 
Tricyklische Antidepressiva wirken am Herzen durch ihre Natriumkanal-blockierende Wirkung. Und dies erkennen Sie an verschiedenen Merkmalen: der Verbreiterung des QRS-Komplexes, die Veränderung des Lagetyps nach Rechts und einem betonten R des rsR´ Komplex, den Sie in Ableitung aVR erkennen müssen. Auch ein Muster, das an ein Brugada Syndrom erinnert, kann vorliegen. Eigentlich logisch, schließlich handelt es sich beim Brugada Syndrom um eine Fehlfunktion des Natriumkanals der Myozyten. Ich finde diese Themen extrem spannend!
Eine gute Übersichtsarbeit zum Thema TCA Intoxikation und EKG finden Sie hier. Liebelt et al. haben entsprechende Untersuchungen schon 1995 im Ann Emerg Med publiziert. Eine weitere gute Übersichtsarbeit zum Thema Ableitung aVR und deren klinisch praktischen Einsatz finden Sie hier.
Es ist wirklich schade, dass diese klinisch wichtigen Informationen aus meiner Sicht unzureichend an den Universitäten aber auch in der ärztlichen Weiterbildung kommuniziert wird. Schließlich hat dieses Wissen eine sehr große Bedeutung bei der Betreuung zahlreicher Patienten. Deshalb macht es durchaus Sinn bei Patienten mit neurologischen Symptomen (Kopfschmerzen, Bewusstseinsveränderung etc.) ein 12-Kanal EKG zu schreiben. 
Wichtige Botschaft: Auch Patienten mit neurologischen Symptomen in der Notaufnahme benötigen ein 12-Kanal EKG!
Bitte diese Infos weitergeben!