Traumatische Amputation der oberen Extremität – Klinischer Review

Hallo. Es ist tatsächlich schon März. Die Arbeitslast der letzten Wochen (ich weiss nicht, woher plötzlich so viele Patienten in unserer Notaufnahme kommen) hat zu einer Schreibblockade geführt. Nachdem ich u.a. aus Leipzig nachgefragt wurde (Dank an Kollegen Bernhard!), jetzt der Relaunch.

Habe einen spannenden Übersichtsartikel im BMJ vom 15. Februar über traumatische Amputation der oberen Extremität gelesen. Hauptbotschaft: Die primäre Versorgung entsprechend Verletzter erfolgt durch “Nichtspezialisten”. Dies müssen …. Weiterlesen

Umgang mit Aggression – Betrunkene

Am letzten Freitag bin ich kurz auf die medikamentöse Therapie und die Fixierung von Patienten mit aggressivem Verhalten eingegangen.

Es sollte jedem klar sein, dass aggressives Verhalten multifaktoriell ist und neben eigener Persönlichkeit, evtl. psychoaktiven Substanzen (Alkohol, Drogen etc.) auch wir als medizinische Helfer Aggression auslösen können.

Aus diesem Grund wird empfohlen deeskalierende Techniken zu verwenden, um einen Raptus des Betroffenen zu vermeiden. Hierzu gehören non-verbale Techniken (Abstand halten, von bestimmter Seite an den Patienten herantreten, Einbinden in Entscheidungsprozesse etc.) aber auch verbale Techniken.

Einen kurzen Artikel habe ich Ihnen hier eingestellt. Es gibt dazu sicherlich viel viel mehr. Ideal wäre, mit einem in diesen Aspekten erfahrenen Trainer zu sprechen. Vielleicht gibt es ja bei Ihnen diese Möglichkeit. Bitte teilen Sie mir noch andere aus Ihrer Sicht interessante Artikel mit.

Respiratorische Insuffizienz: Pneumothorax – Was nun?

Haben Sie im Rahmen Ihrer studentischen Ausbildung eine klar strukturierte Einleitung erhalten, wie Sie mit einem Pneumothorax umgehen sollten? Haben Sie schon notfallsonographische Techniken erlernt, um einen Pneumothorax auszuschließen?

Oder ist es Ihnen auch passiert, dass der Chirurg ein anderes Vorgehen hat wie der Kollege aus einem konservativen Fach? Was nun? Weiterlesen

Hämatothorax – Interessante Diskussion auf EMRAP

In der neuen Ausgabe von EMRAP gibt es eine wirklich gute interessante Diskussion zur Notwendigkeit einer Thoraxdrainage bei isoliertem Hämatothorax. Gegenwärtig besteht häufig Unklarheit ob ein Hämatothorax vorliegt und wann eine Thoraxdrainage notwendig ist. Diese und andere Fragen werden in dem Podcast ausgiebig besprochen.

Hier die Take-home Messages: Weiterlesen

Trauma-Report: Tranexamsäure bei Traumapatienten

Tranexamsäure bei Patienten mit schwerem Trauma. Ich denke, dass viele von Ihnen die Substanz erfolgreich einsetzen. Was gibt es Neues?

Nun, im Septemberheft des BMJ werden weitere, prä-spezifizierte Analysen des großen CRASH-2 Trial vorgestellt. Über 13000 Traumapatienten wurden mit Tranexamsäure (1g in 10min, dann 1 g in 8 Stunden; divergierende Dosisangabe zum kürzlich vorgestellten Übersichtsartikel zur Fluid Resuscitation bei Traumapatienten!) oder Placebo behandelt.

Die therapeutische Hemmung der Fibrinolyse führt zu einem signifikanten Überlebensvorteil betroffener Patienten. Die Studienergebnisse sind in sich schlüssig, da sowohl Leicht wie Schwerstverletzte, als auch Patienten in unterschiedlichsten Risikoklassen von der Behandlung profitieren.

Begleitet wurde diese Publikation von einer Pressemitteilung im BMJ. Lesenswert.

Gutes Neues! Bacchus der Vater …

…. Venus die Mutter, Zorn die Hebamm erzeugen das Podagram”

Ein passendes Zitat zu den üppigen Tagen der letzten Wochen. Ich hoffe, Sie haben auch die Silvesternacht gut überstanden und mußten nicht unter den Leiden der Gicht büßen.

Der Gicht bin ich erst vor kurzem in der Klinik begegnet und erntete allgemeines Erstaunen von den Umstehenden über meine Frage, wer jetzt das Gelenk punktieren würde. Und dieses Erstaunen liest sich auch aus einem Artikel im BMJ vom 10. Dezember. Sehr kritisch und analytisch gehen die Autoren auf die Defizite in der Versorgung von Patienten mit Gicht ein: Dies mag an mangelndem Teaching liegen (Gicht wird zwischenzeitlich im Fachgebiet Rheumatologie akademisch bearbeitet, ich kann mich an keine großen Vorlesungen oder Fortbildungen erinnern), mag an Werbeaktionen der Industrie, aber auch an unserem fehlenden Verständnis über die Diagnostik, Auswirkungen und Therapiemöglichkeiten der Gicht liegen. Lesen Sie diesen BMJ Artikel, sehr unterhaltsam und spannend.

Aber wie ist nun die korrekte Vorgehensweise in Diagnostik und Behandlung? Hierzu gibt es einen hervorragenden Artikel im NEJM vom Februar 2011. Auch aktuelle Artikel aus anderen Journalen lesen sich gut. Und hier auch noch ein frei zugänglicher, sehr gefälliger Text aus dem Am Fam Phys (sehr praxisnahe Übersichten, auch für Notfallmediziner sehr hilfreich!).

Es beginnt mit der Diagnostik. Die typische Lokalisation und eine erhöhte Harnsäure sind NICHT ausreichend, um die Diagnose Gicht zu stellen … eine wichtige Differentialdiagnose ist die Pseudogicht. Zumal haben insbesondere ältere Frauen auch untypische Gelenksmanifestationen und werden manchmal als rheumatische Arthritis fehlbehandelt. Die Punktion des Gelenkspalts mit dem Nachweis von Uratkristallen in der Polarisationsmikroskopie hat zu erfolgen … natürlich auch in der ZNA ….

Und der Akutbehandlung (Colchizin oder NSAID) folgt bei mehr als 2 Anfällen eine Prophylaxe mit z.B. Allopurinol in Dosierungen bis 800 mg pro Tag bzw. Benzbromaron. Die Hohe Tagesdosis ist kein Schreibfehler! Aber eine schrittweise Dosissteigerung beginnend etwa 2 Wochen nach dem Anfall ist selbstverständlich notwendig. Natürlich gibt es Therapieversager und andere Optionen, diese sollten Sie den Tabellen des NEJM Artikel entnehmen. Ja und …. eine asymptomatische Hyperurikämie wird nach momentanen Kenntnisstand NICHT medikamentös behandelt. Diätetische Maßnahmen sind natürlich für symptomatische und asymptomatische Hyperurikämie selbstverständlich!

Bei Notfallpatienten spritzt nicht nur das Blut, sondern betroffene Patienten haben gelegentlich auch andere, weniger aufregende Probleme wie die Gicht, die mit starken Schmerzen assoziiert sein kann. Man muß auch mit diesen banalen, aber häufig in unserer täglichen Arbeit vergessenen Krankheiten umgehen lernen. Wann punktieren Sie ?

Das gerötete, schmerzhafte Gelenk

Das 2. Adventssymposium in Nürnberg (9/10.12.2011) war ein riesiger Erfolg! Die Qualität der Vorträge war exzellent, phänomenal … ! Der Vortrag zum Angioödem von Prof. Schultz am Samstagvormittag bestätigte die Aussagen meines letzten Posts. Ich bin sehr zufrieden!

Was soll ich Ihnen Neues aus dem Adventssymposium berichten: Ich denke, dass die Ausführungen zum Thema “Das gerötete und schmerzhafte Gelenk” ein exzellentes Beispiel für hervorragende Didaktik war. Dr. G. Laifer aus Zürich erläuterte sehr strukturiert, wann wir an eine septische Arthritis denken müssen, und wie wichtig die Punktion eines Gelenksergusses ist. Zumindest beim ersten Ereignis sollte bei allen betroffenen Patienten eine entsprechende Diagnostik erfolgen.

Machen Sie dies regelmäßig? Gehört dies in Ihre klinische Routine? Punktieren Sie beim älteren Diabetiker mit bekannter Hyperurikämie bei einem schmerzhaft geröteten Zehengrundgelenk das Gelenk? Sollten Sie tun! Die folgende Arbeit aus 2007 zeigt dies auf:

Eine hochrelevante Publikation von Margaretten et al. (JAMA 2007) geht in hervorragender Weise auf die theoretischen und praktischen Aspekte zu dieser Thematik ein. Obwohl das Vorliegen eines höheren Alters, Diabetes mellitus, Rheumatoide Arthritis, Gelenkprothesen, Hautinfektion und HIV-Positivität die Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins einer septischen Arthritis wahrscheinlicher machen, gibt erst das Resultat der Kniegelenkspunktion (die Höhe der Leukozytenzahl, mehr wie 90% Anteil der Polymorphkernigen) eine höhere diagnostische Sicherheit. Selbstverständlich müssen weitere Untersuchungen vor der Gabe von Antibiotika (Blutkultur, Kultur der Gelenksflüssigkeit) ebenfalls durchgeführt werden und ggf. der Fachspezialist für die chirurgische Therapie hinzugezogen werden. Dies bedeutet, dass die diagnostischen Tests ohne Punktion nicht ausreichend sind, um die korrekte Therapie ableiten zu können.

Sie können den gesamten Vortrag von G. Laifer in Kürze von der Homepage des Arbeitskreises Klinische Notfallmedizin Bayern auf Ihren Computer laden (www.akn-b.de). Es ist viel Nachdenkenswertes in diesem Vortrag enthalten.

Viel Spaß beim Schmökern! Nehmen Sie sich etwas Zeit, um dies auch zu kommentieren!
Ihr Michael Christ