Umgang mit Aggression – Betrunkene

Am letzten Freitag bin ich kurz auf die medikamentöse Therapie und die Fixierung von Patienten mit aggressivem Verhalten eingegangen.

Es sollte jedem klar sein, dass aggressives Verhalten multifaktoriell ist und neben eigener Persönlichkeit, evtl. psychoaktiven Substanzen (Alkohol, Drogen etc.) auch wir als medizinische Helfer Aggression auslösen können.

Aus diesem Grund wird empfohlen deeskalierende Techniken zu verwenden, um einen Raptus des Betroffenen zu vermeiden. Hierzu gehören non-verbale Techniken (Abstand halten, von bestimmter Seite an den Patienten herantreten, Einbinden in Entscheidungsprozesse etc.) aber auch verbale Techniken.

Einen kurzen Artikel habe ich Ihnen hier eingestellt. Es gibt dazu sicherlich viel viel mehr. Ideal wäre, mit einem in diesen Aspekten erfahrenen Trainer zu sprechen. Vielleicht gibt es ja bei Ihnen diese Möglichkeit. Bitte teilen Sie mir noch andere aus Ihrer Sicht interessante Artikel mit.

Gewalttätige Aggression in den Notaufnahmen – Was tun?

Der gestrige Tag war bei uns dominiert von einer Diskussion über Aggressivität und gewalttätiges Verhalten in den Notaufnahmen (bzw. Intensivstationen). Angestossen wurde die Diskussion durch eine kurze Mikrofortbildung über ein standardisiertes Vorgehen bei aggressiven Patienten: Das standardisierte Vorgehen zeigt eine Überlegenheit gegenüber dem individualisierten Vorgehen. Wird zwar in den gemeinsamen Diskussionen kritisch hinterfragt. Nichtsdestotrotz sollte aus meiner Sicht zumindest der Versuch einer Standardisierung vorgenommen werden. Denn was auch ersichtlich war: Man fragt 10 Personen und erhält 15 verschiedene Meinungen. Gleichzeitig ist das Thema höchstgradig angstbesetzt. Wie ist es bei Ihnen? Gibt es bei Ihnen Standards, haben Sie Empfehlungen? Bitte posten!!!!

Gerne werden auch die Kollegen der Psychiatrie zu diesem Thema gefragt: Aus meiner Sicht nicht geeignet! Die Kollegen sind nicht mit dem Alkoholisierten jungen Mann, der sich verletzt hat und nun notfallmedizinisch versorgt werden muss, konfrontiert.

Spannend in diesem Zusammenhang ist eine aktuelle Studie zum Stellenwert von einer Kombination von Midazolam und Droperidol bzw. Olanzapin: Weiterlesen

Hätten Sie es auch so gemacht?

Seit längerem führen wir in unserem Bereich “Mikrofortbildungen” durch. Ziel ist es, den kollegialen Austausch zu fördern und natürlich sich in Vorgehensweisen bei Notfallpatienten abzustimmen. Neben klinisch relevanten Originalarbeiten zu Notfall- und Intensivmedizinischen Themen sprechen wir auch spannende Fallbeispiele durch.

Ganz aktuell ist ein exzellenter Fallbericht im NEJM erschienen. Es stellt sich in der Notfallaufnahme eine 54 jährige Patientin vor, die zunehmendes Erbrechen, abdominelle Schmerzen und Konfusion angibt. Und dann geht es Ruckizucki: sie kommt auf Intensivstation, in der BGA zeigt sich ein pH von 6,66. Weiterlesen

Date raping drugs – Facts und Fantasy

Notaufnahmen und auch Intensivstationen sind immer wieder mit bewusstlosen jungen Menschen konfrontiert, bei denen der Verdacht auf k.o. Tropfen Verabreichung diskutiert werden muss bzw. wird.

Wer kann sich nicht an eine vor vielen Jahren im Münchner “Donisl” Geschichte erinnern, bei der ein paar Kriminelle k.o. Tropfen ins Getränk gemischt haben und anschließend die “Gäste” ausgeraubt haben. Auch auch St. Pauli gibt es ähnliche Geschichten. Und diese Drogen stehen immer wieder in Verdacht, auch eingesetzt zu werden, um junge Frauen zu vergewaltigen. Insbesondere “liquid ecstasy” (gamma-Hydroxy Buttersäure) steht hier unter großem Verdacht. Aber ist dem wirklich so? Weiterlesen

“Laberflash” ….. der hört ja gar nicht mehr auf zu sprechen

Ein junger, 21 jähriger Patient mit Logorrhoe stellt sich in der Notaufnahme vor. Außerdem fällt eine innere Unruhe auf. Sofort tippen Sie auf eine Intoxikation. Aber was wird es wohl sein?

Nach mehreren Gesprächen und Fragen stellt sich heraus, dass der Patient in größeren Mengen Crystal Meth konsumiert hat. Viele von Ihnen werden von dieser Droge schon gehört haben …. aber wussten Sie, dass es sich um eine “alte” Droge aus dem Ende des 19Jhdt handelt? Weiterlesen

Die Wissenschaft rettet die Nacht! Bald in Ihrer Notaufnahme?

Nature Nanotechnology berichtet über die Injektion von Enzymkomplexen, die Alkohol schneller abbauen.
Funktioniert schon bei Mäusen.
Wenn das mal keine Perspektive für die Notaufnahme ist. Eine Injektion und der Alkohol wird abgebaut…
Am besten schon präklinisch, das wäre doch eine tolle Erleichterung für die Nachtschichten am Wochenende.
Es könnte allerdings passieren, daß die besonders treue Kundschaft dann nicht einmal, sondern gleich mehrmals pro Nacht kommt…..

Blog-Link: Psychiatrietogo

Gute medizinische Blogs in Deutsch sind leider noch Mangelware. Eher per Zufall bin ich auf den Psychiatrie-Blog von Dr. Jan Dreher gestossen. Auch wenn das Thema nicht ganz unserem Kernthema entspricht, so fällt trotzdem auf, dass der Blog erstens handwerklich super gemacht ist und zweitens in der Vielfalt der Themen auch der eine oder andere Artikel ist, der auch für den Notfallmediziner relevant ist.

Hier der Link: http://psychiatrietogo.wordpress.com

Ebenfalls einen kleinen Blick habe ich bereits in das von ihm verfasste Psychiatrie iBook geworfen, welches sehr vielversprechend aussieht. Man kann sehen was alles mit diesem Medium möglich ist und dass die Veröffentlichung eines Fachbuches nicht mehr allein vom Vertrieb über einen der grossen Verläge abhängig ist. Klar bleiben derartige Bücher immer subjektiv, aber das sind die anderen bis zu einem gewissen Punkt auch, geben sie nur nicht zu…

Hier der Link zum IBook

Seniorin auf Droge? Know your tools (and their limitations)…

Eine 75 – jährige Patientin wird vom Notarzt mit multiplen Schnittverletzungen an den Extremitäten in den Schockraum gebracht.

Die Anlage eines venösen Zugangs war präklinisch bei Hypothermie (34°C) nicht gelungen, so daß eine intraossäre Kanüle in die Tibia gebohrt worden war. Vom Notarzt wird über einen Blutverlust in der Wohnung von ca. 1,5 l berichtet. Die Patientin nimmt Dabigatran bei Vorhofflimmern. Bei Eintreffen im Schockraum ist die Patientin kreislaufstabil (RR 120/70 mmHg, Hf 70/min, SpO2 94%). Sie hat multiple, teilweise tiefe Schnittverletzungen an allen Extremitäten, die jedoch bei Aufnahme nicht mehr bluten.Die Anlage eines venösen Zuganges gelingt problemlos.

Die Patientin wurde zu Hause im Schlafzimmer in einer Blutlache von Nachbarn aufgefunden. Neben ihr Lagen mehrere Rasierklingen. Hinweise auf ein Fremdeinwirkung gibt es nicht, die Rettungskräfte gehen von einem Suizidversuch aus.

Da die Ursache Somnolenz zunächst unklar ist und eine Medikamentenintoxikation nicht ausgeschlossen werden kann, führen die Kollegen der ZNA ein Drogenscreening im Urin durch. Dieses ist positiv auf Metamphetamin und THC.

Auch für einen Drogenrausch gibt es keine Altersgrenze, aber das erschien uns doch angesichts dieser Patientin auch nach Rücksprache mit den Angehörigen sehr unwahrscheinlich.

Nach Rücksprache mit dem Hersteller des Drogentests, in diesem Fall http://oekonomed.de

wird die Sache klarer. Es gibt eine 6-seitige Liste (die wir hier leider nicht veröffentlichen dürfen) mit möglichen Kreuzreaktionen zwischen dem Schnelltest und verschiedenen Medikamenten.

In unserem Fall hat wahrscheinliche die Einnahme von Pantozol einen THC-Konsum vorgetäuscht. Ranitidin kann Metamphetamine vortäuschen.

Als Ursache der Somnolenz vermuten wir im Nachhinein eine Kombination aus Anämie und Hypothermie.

Nach 2 Stunden war die Patientin wach und zu allen Qualitäten orientiert.

Diese zwei Artikel beschäftigen sich mit Drogenschnelltests und möglichen Interaktionen:

http://www.healio.com/orthopedics/journals/ORTHO/{E98EF187-30EE-4C8A-BE36-47D0C7FAC694}/A-Review-of-the-Methods-Interpretation-and-Limitations-of-the-Urine-Drug-Screen

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21507878