i.v.-Flüssigkeit für Alkoholisierte?

Manchmal sind es ja auch die kleinen umspektakulären Fragen, die einen in der Notaufnahme Zeit und Nerven kosten. Viele Dinge die landauf, landab so durchgeführt werden und deren Sinnhaftigkeit selten überprüft wurde.

So auch bei diesem Thema. Macht es Sinn einem alkoholintoxikierten Patienten i.v. Flüssigkeit zu verabreichen? Sicher muss man dies von Fall zu Fall entscheiden und den Komorbiditäten kommt hier eine besondere Beachtung zu. Aber was wenn ein Patient einfach nur sturzbesoffen vom Rettungsdienst “zum Ausnüchtern” gebracht wird?

Bereits in einer 2003 durchgeführten Metaanalyse ergab sich kein Vorteil für die i.v.-Flüssigkeitsgabe und auch eine neuere Studie findet hier kein anderes Resultat, wohl aber nicht unerhebliche finanzielle Einsparmöglichen, die bei der Frequenz dieser Konstellation beträchtliche Summen umfassen dürften.

Fazit für mich: eine i.v. Flüssigkeitstherapie ist (ebenso wie eine Bestimmung des Blutalkoholspiegels) nur bei vitaler Indikation oder (vermuteter) relevanter Komorbidität indiziert.

Umgang mit Aggression – Betrunkene

Am letzten Freitag bin ich kurz auf die medikamentöse Therapie und die Fixierung von Patienten mit aggressivem Verhalten eingegangen.

Es sollte jedem klar sein, dass aggressives Verhalten multifaktoriell ist und neben eigener Persönlichkeit, evtl. psychoaktiven Substanzen (Alkohol, Drogen etc.) auch wir als medizinische Helfer Aggression auslösen können.

Aus diesem Grund wird empfohlen deeskalierende Techniken zu verwenden, um einen Raptus des Betroffenen zu vermeiden. Hierzu gehören non-verbale Techniken (Abstand halten, von bestimmter Seite an den Patienten herantreten, Einbinden in Entscheidungsprozesse etc.) aber auch verbale Techniken.

Einen kurzen Artikel habe ich Ihnen hier eingestellt. Es gibt dazu sicherlich viel viel mehr. Ideal wäre, mit einem in diesen Aspekten erfahrenen Trainer zu sprechen. Vielleicht gibt es ja bei Ihnen diese Möglichkeit. Bitte teilen Sie mir noch andere aus Ihrer Sicht interessante Artikel mit.

Gewalttätige Aggression in den Notaufnahmen – Was tun?

Der gestrige Tag war bei uns dominiert von einer Diskussion über Aggressivität und gewalttätiges Verhalten in den Notaufnahmen (bzw. Intensivstationen). Angestossen wurde die Diskussion durch eine kurze Mikrofortbildung über ein standardisiertes Vorgehen bei aggressiven Patienten: Das standardisierte Vorgehen zeigt eine Überlegenheit gegenüber dem individualisierten Vorgehen. Wird zwar in den gemeinsamen Diskussionen kritisch hinterfragt. Nichtsdestotrotz sollte aus meiner Sicht zumindest der Versuch einer Standardisierung vorgenommen werden. Denn was auch ersichtlich war: Man fragt 10 Personen und erhält 15 verschiedene Meinungen. Gleichzeitig ist das Thema höchstgradig angstbesetzt. Wie ist es bei Ihnen? Gibt es bei Ihnen Standards, haben Sie Empfehlungen? Bitte posten!!!!

Gerne werden auch die Kollegen der Psychiatrie zu diesem Thema gefragt: Aus meiner Sicht nicht geeignet! Die Kollegen sind nicht mit dem Alkoholisierten jungen Mann, der sich verletzt hat und nun notfallmedizinisch versorgt werden muss, konfrontiert.

Spannend in diesem Zusammenhang ist eine aktuelle Studie zum Stellenwert von einer Kombination von Midazolam und Droperidol bzw. Olanzapin: Weiterlesen

Hätten Sie es auch so gemacht?

Seit längerem führen wir in unserem Bereich “Mikrofortbildungen” durch. Ziel ist es, den kollegialen Austausch zu fördern und natürlich sich in Vorgehensweisen bei Notfallpatienten abzustimmen. Neben klinisch relevanten Originalarbeiten zu Notfall- und Intensivmedizinischen Themen sprechen wir auch spannende Fallbeispiele durch.

Ganz aktuell ist ein exzellenter Fallbericht im NEJM erschienen. Es stellt sich in der Notfallaufnahme eine 54 jährige Patientin vor, die zunehmendes Erbrechen, abdominelle Schmerzen und Konfusion angibt. Und dann geht es Ruckizucki: sie kommt auf Intensivstation, in der BGA zeigt sich ein pH von 6,66. Weiterlesen

Date raping drugs – Facts und Fantasy

Notaufnahmen und auch Intensivstationen sind immer wieder mit bewusstlosen jungen Menschen konfrontiert, bei denen der Verdacht auf k.o. Tropfen Verabreichung diskutiert werden muss bzw. wird.

Wer kann sich nicht an eine vor vielen Jahren im Münchner “Donisl” Geschichte erinnern, bei der ein paar Kriminelle k.o. Tropfen ins Getränk gemischt haben und anschließend die “Gäste” ausgeraubt haben. Auch auch St. Pauli gibt es ähnliche Geschichten. Und diese Drogen stehen immer wieder in Verdacht, auch eingesetzt zu werden, um junge Frauen zu vergewaltigen. Insbesondere “liquid ecstasy” (gamma-Hydroxy Buttersäure) steht hier unter großem Verdacht. Aber ist dem wirklich so? Weiterlesen

“Laberflash” ….. der hört ja gar nicht mehr auf zu sprechen

Ein junger, 21 jähriger Patient mit Logorrhoe stellt sich in der Notaufnahme vor. Außerdem fällt eine innere Unruhe auf. Sofort tippen Sie auf eine Intoxikation. Aber was wird es wohl sein?

Nach mehreren Gesprächen und Fragen stellt sich heraus, dass der Patient in größeren Mengen Crystal Meth konsumiert hat. Viele von Ihnen werden von dieser Droge schon gehört haben …. aber wussten Sie, dass es sich um eine “alte” Droge aus dem Ende des 19Jhdt handelt? Weiterlesen

Die Wissenschaft rettet die Nacht! Bald in Ihrer Notaufnahme?

Nature Nanotechnology berichtet über die Injektion von Enzymkomplexen, die Alkohol schneller abbauen.
Funktioniert schon bei Mäusen.
Wenn das mal keine Perspektive für die Notaufnahme ist. Eine Injektion und der Alkohol wird abgebaut…
Am besten schon präklinisch, das wäre doch eine tolle Erleichterung für die Nachtschichten am Wochenende.
Es könnte allerdings passieren, daß die besonders treue Kundschaft dann nicht einmal, sondern gleich mehrmals pro Nacht kommt…..