Reanimation: Yes, we can better …

Vermutlich ist auch bei Ihnen z.Z. “Land unter”. In einer Pause habe ich die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Notfall- und Rettungsmedizin durchgeblättert und bin dort auf eine exzellente Arbeit zur Qualitätssicherung bei prähospitaler Reanimation gestossen. Weiterlesen

Sepsis neu definiert – jetzt auch offiziell

Die SIRS-Kriterien und auch die aktuelle Auflage der Surviving Sepsis Guidelines waren schon einige Zeit in der Kritik (hierzu sei diese spannende Diskussion von einigen der weltberühmten “Sepsis-Gurus” auf der SMACC-Konferenz empfohlen) – jetzt wurde die neue Sepsis Definition im JAMA veröffentlicht, konkret:

“The Third International Consensus Definitions for Sepsis and Septic Shock (Sepsis-3)”

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Pediatric Paper of the Year 2015 – Mütterliche Küsse zur Schmerztherapie bei Kleinkindern

Kennen Sie das auch? Ein kleiner Erdenbürger verletzt sich geringfügig (“minor injury”), daraufhin wird die Verletzungsstelle durch Mutter oder sonstige enge Angehörige “geküsst”. Das Weinen hört schlagartig auf, oder? Weiterlesen

Anwesenheit von Angehörigen bei REA. Ein No-Go?

In den letzten Tagen wurde ich immer wieder auf unser Anfang Dezember stattgefundenes Adventssymposium angesprochen. Natürlich frage ich nach, was besonders beeindruckt hat und welche Themen für das nächste Adventssymposium (SAVE the DATE: 9-10.12.2016) gewünscht werden. Weiterlesen

ACE-Hemmer induziertes Angioödem: Eulen nach Athen tragen

Beim Sortieren und Ablegen meines Laptops bin ich auf eine schon ältere Studie zum Stellenwert von Icatibant und Therapie eines ACE-Hemmer Induzierten Angioödems gestoßen. Von der Klinikum rechts der Isar, München. Weiterlesen

Blutungsmanagement unter oraler Antikoagulation – Update

In den letzten Wochen wurden hochinteressante Daten zu spezifischen Antidots für die Antagonisierung der direkten oralen Antikoagulantien (DOACs: Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban) im New England Journal of Medicine vorgestellt. Weiterlesen

Och, da machen wir nichts mehr …. der ist zu alt!

Diese oder ähnliche Aussagen hört man gelegentlich, wenn Patienten auf Intensivstation oder in der Notaufnahme eingeliefert werden. Aber wie ist es denn wirklich? Gibt es verlässliche Daten, um daran seine medizinische Entscheidung zum Therapieabbruch ableiten zu können? Weiterlesen

Die Reanimationsleitlinien 2015 – was ist neu?

Heute wurden die neuen Reanimationsleitlinien 2015 des European Resuscitation Council (ERC) veröffentlicht.

Was hat sich also verändert?
Die kurze Antwort: Nichts dramatisches. Vielmehr wurden die 2010er Richtlinien um einige neue Erkenntnisse ergänzt und generell steht die Laien-Reanimation bzw. Ersthelfer im Fokus der Neuerungen, zudem es gibt eine neue Sektion zu Ethik.
Einige Neuerungen gibt es aber doch: Bei den “besonderen Umständen” (Special Circumstances) wurden erstmals Empfehlungen zu traumatischem Kreislaufstillstand (inkl. der Empfehlung für die Notfall-Thorakotomie) herausgegeben, es gibt auch neue Algorithmen zu Hyperkaliämie und Lawinenunfall.

Ein erster Überblick über die Änderungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Basic Life Support:
  • Besonderer Fokus auf Laien-Reanimation und telefonische Anleitung zur CPR für Ersthelfer.
  • Kompressionen bleiben bei 30:2
Advanced Life Support:
  • Es bleibt bei: 30:2. Bei schockbarem Rhythmus Defibrillation und nach 3 nicht erfolgreichen Schocks Amiodaron sowie Adrenalin, dann ev. nochmal Amiodaron  sowie nach jedem 2. Zyklus Adrenalin. Bei nicht schockbarem Rhythmus Adrenalin so schnell wie möglich, dann nach jedem 2. Zyklus. Defi-Energien bleiben gleich.
  • Die Pausen während der Herzdruckmassage sollen noch stärker minimiert werden – maximal 5 Sekunden für Defibrillation (und Intubation).
  • Intubation soll nur von Personal mit Erfahrung durchgeführt werden, als Alternative supraglottische Atemwegshilfen (z.b. Larynxtubus/-maske). Auch hier (bei supraglott. Airways) soll anfangs eine kontinuierliche Herzdruckmassage durchgeführt werden, nur bei massivem Leak und inadäquater Ventilation Änderung auf 30:2.
  • Im Worst-Case sollte eine chirurgische Notfall-Koniotomie durchgeführt werden, Technik via Skalpell und keine Nadel-Koniotomie.
  • Eine kontinuierliche Kapnographie wird empfohlen – für Verifikation der Intubation und Kreislaufmonitoring – und dem schnellen Entdecken eines ROSC.

Medikamente (Update 15.10. 16:00)

  • Adrenalin: Same as 2010. 1mg alle 3-5 Minuten (= nach jedem 2. Zyklus).
  • Vasopressin: Wird nicht mehr empfohlen.
  • Steroide: Werden nicht routinemäßig empfohlen.
  • Amiodaron: Weiterhin 300mg nach dem dritten, nicht erfolgreichen Schock. Ebenso ist die Gabe von 150mg Amiodaron nach dem 5. nicht erfolgreichen Schock möglich. Bei instabiler Breitkomplextachykardie NACH 3maliger, erfolgloser Kardioversion: 300mg über 10-20 min, danach 900mg / 24h. Bei stabiler, rhythmischer Breitkomplextachy 300mg über 20-60min, danach 900mg / 24h.
  • Lidocain: Wenn Amiodaron nicht verfügbar ist nach dem dritten nicht erfolgreichen Schock 100mg (und danach 50mg-Boli bis zu max. 3mg/kg)
  • Magnesium: Wird nicht routinemäßig empfohlen. Ausnahme Torsades de Pointes – Tachykardie. Dann 2g / 10min.
  • Calcium: Gabe nur bei Hyperkaliämie, Hypocalciämie sowie Calciumkanalblocker-Überdosis.
  • NaBi: Wird nicht routinemäßig empfohlen (intrazelluläre Azidose!!). Ausnahmen: Lebensbedrohliche Hyperkaliämie, Kreislaufstillstand mit Hyperkaliämie und Trizyklika-Überdosis. Dann 50ml 8,4% NaBi.

Kreislaufstillstand unter besonderen Umständen

  • Hier gibt es eine neue Struktur nach den 4Hs und 4Ts (Hypoxie, Hypovolämie, Hypothermie, Hypo/Hyperkaliämie (Elyte); Trauma, Toxine, Thrombembolie, Tension (Spannungspneu)
  • Hypothermie: Externes Erwärmen (bzw. via warmen Infusionen) ist bei kreislaufstabilen Patienten bis 28°C möglich.
  • Intramuskuläres Adrenalin (0,5mg) ist weiterhin primäre Therapie bei der Anaphylaxie.
  • Es gibt einen neuen Algorithmus für Elektrolytengleisungen, speziell für Hyperkaliämie!
  • Es gibt einen neuen Algorithmus für traumatischen Kreislaufstillstand! Hier wird klar gelegt, dass bei Hypovolämie, Perikardtamponade und Spannungspneumothorax die externe Herzdruckmassage wahrscheinlich wenig hilfreich ist. Bei Blutung wird die Gabe von Tranexamsäure 1g, wenn möglich präklinisch, empfohlen. Ebenso wird beim traumatischen Arrest rasch die Durchführung einer beidseitigen Finger-Thoracostomie empfohlen, bei fehlendem Erfolg, entsprechender Erfahrung und penetrierendem Trauma (innerhalb von 10 Minuten) eine (Clamshell-)Thorakotomie. 
  • Ebenso gibt es einen neuen Algorithmus für Lawinenopfer.

Post-Reanimationsbehandlung:

  • Die Priorität für Post-CPR Herzkatheteruntersuchung bei Verdach auf kardiale Ursache wurde stärker betont.
  • „Targeted Temperature Management“ ist weiterhin wichtig, jedoch besteht auch die Möglichkeit nur auf 36°C zu kühlen, 32-34°C sind jedoch ebenso in Ordnung. Prioritär ist die Vermeidung von Fieber.
  • Es gibt nun einen breiten Algorithmus zur Prognose von Patienten mit überlebtem Kreislaufstillstand, zusätzlich Neuigkeiten für Rehabilitation.
Akutes Koronarsyndrom:
  • Die Gabe von Clopidogrel/Ticagrelor/Prasugrel bei STEMI kann präklinisch aber auch in der Notaufnahme erfolgen.
  • Die Gabe von Heparin kann präklinisch, aber auch innerklinisch in der Notaufnahme erfolgen. Alternativ statt unfraktioniertem Heparin ist auch niedermolekulares Heparin möglich.
  • ASS-Gabe 150-300mg p.o. oder i.v.
Bezüglich den neuen pädiatrischen und Neonaten-Richtlinien folgt ein separater Artikel.
Hier gibt’s die Richtlinien zum kostenlosen Download:
Außerdem findet auf der GRC-Website heute noch ein Livestream zu den Vorstellungs-Vorträgen statt.