Gewalttätige Aggression in den Notaufnahmen – Was tun?

Der gestrige Tag war bei uns dominiert von einer Diskussion über Aggressivität und gewalttätiges Verhalten in den Notaufnahmen (bzw. Intensivstationen). Angestossen wurde die Diskussion durch eine kurze Mikrofortbildung über ein standardisiertes Vorgehen bei aggressiven Patienten: Das standardisierte Vorgehen zeigt eine Überlegenheit gegenüber dem individualisierten Vorgehen. Wird zwar in den gemeinsamen Diskussionen kritisch hinterfragt. Nichtsdestotrotz sollte aus meiner Sicht zumindest der Versuch einer Standardisierung vorgenommen werden. Denn was auch ersichtlich war: Man fragt 10 Personen und erhält 15 verschiedene Meinungen. Gleichzeitig ist das Thema höchstgradig angstbesetzt. Wie ist es bei Ihnen? Gibt es bei Ihnen Standards, haben Sie Empfehlungen? Bitte posten!!!!

Gerne werden auch die Kollegen der Psychiatrie zu diesem Thema gefragt: Aus meiner Sicht nicht geeignet! Die Kollegen sind nicht mit dem Alkoholisierten jungen Mann, der sich verletzt hat und nun notfallmedizinisch versorgt werden muss, konfrontiert.

Spannend in diesem Zusammenhang ist eine aktuelle Studie zum Stellenwert von einer Kombination von Midazolam und Droperidol bzw. Olanzapin:In einer multizentrischen Studie wurde die i.v. Gabe von Midazolam 5mg kombiniert mit Droperidol 5mg i.v. bzw. Olanzapin 5mg i.v. (Cave wg. Zulassung!) verglichen mit einer Gabe von Midazolam allein: Es zeigt sich eine eindeutige Überlegenheit in der Kombinationstherapie. Aufgenommen in diese Studie waren Patienten mit höchst-aggressivem Verhalten auf dem Boden von Alkohol, Drogen etc. Die Diskussion ist lesenswert! Verweisen an dieser Stelle möchte ich auch auf einen Post bei Steve Weingart (unbedingt den Video über die Fixierung eines gewalttätigen Patienten anschauen!): In den Diskussionen zu diesem Post wird auch der Stellenwert von Ketamin i.m. besprochen. Hier gibt es natürlich keine klaren Daten, aber die Erfahrungen aus Australien und USA scheinen sehr positiv zu sein. Auch die Gefahr einer Potenzierung der sympathoadrenergen Stimulation wird als nicht problematisch gesehen.

Eine weiter interessante Arbeit finden Sie hier.

Es würde mich sehr interessieren, ob Sie besondere Empfehlungen zu diesem Thema geben können? Oder gibt es bei Ihnen bereits einen Standard? Vorschläge sind willkommen! Gerne auch direkt per eMail.

Hier noch einige Verweise auf Standards aus unserem Haus:

  1. Aggression – Algorithmus
  2. Aggressiver Patient 
  3. intranasale Applikation von Medikamenten

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5 Gedanken zu „Gewalttätige Aggression in den Notaufnahmen – Was tun?

  1. „Gerne werden auch die Kollegen der Psychiatrie zu diesem Thema gefragt: Aus meiner Sicht nicht geeignet!“
    Da ist genau das Gegenteil der richtige Schritt. Wenn man das „Warum“ besser versteht, kann man mit weniger Emotionen re-agieren und behält die Kontrolle über die Situation. Und da kennen sich die Kollegen sicherlich bestens aus.

    • Gerne können die Kollegen der Psychiatrie Ihre Kompetenz einbringen. Die Kollegen der Psychiatrie waren bisher leider nur wenig präsent, wenn es um die Versorgung der Notfallpatienten, die von mir angesprochen werden, ging. Der professionelle Umgang mit diesen Patienten erfordert verschiedene Fähigkeiten, die auch unterschiedlichen Fachdisziplinen kommt. Dieses Zusammenführen findet leider zu wenig statt.

  2. In der australischen Notaufnahme (ED) in der ich arbeite nehmen wir die Kombination aus Midazolam und olanzepie oder droperidol. Das Psych Team wird konsultiert wenn der Patient wieder aufwacht.
    Midazolam alleine wirkt zwar auch aber die Kombi ist überlegen finde ich.
    Beste Grüße aus Down under

    Andi Rauch

  3. Pingback: Wenn es brenzlig wird… | Blog des DGINA e.V.

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