Seniorin auf Droge? Know your tools (and their limitations)…

Eine 75 – jährige Patientin wird vom Notarzt mit multiplen Schnittverletzungen an den Extremitäten in den Schockraum gebracht.

Die Anlage eines venösen Zugangs war präklinisch bei Hypothermie (34°C) nicht gelungen, so daß eine intraossäre Kanüle in die Tibia gebohrt worden war. Vom Notarzt wird über einen Blutverlust in der Wohnung von ca. 1,5 l berichtet. Die Patientin nimmt Dabigatran bei Vorhofflimmern. Bei Eintreffen im Schockraum ist die Patientin kreislaufstabil (RR 120/70 mmHg, Hf 70/min, SpO2 94%). Sie hat multiple, teilweise tiefe Schnittverletzungen an allen Extremitäten, die jedoch bei Aufnahme nicht mehr bluten.Die Anlage eines venösen Zuganges gelingt problemlos.

Die Patientin wurde zu Hause im Schlafzimmer in einer Blutlache von Nachbarn aufgefunden. Neben ihr Lagen mehrere Rasierklingen. Hinweise auf ein Fremdeinwirkung gibt es nicht, die Rettungskräfte gehen von einem Suizidversuch aus.

Da die Ursache Somnolenz zunächst unklar ist und eine Medikamentenintoxikation nicht ausgeschlossen werden kann, führen die Kollegen der ZNA ein Drogenscreening im Urin durch. Dieses ist positiv auf Metamphetamin und THC.

Auch für einen Drogenrausch gibt es keine Altersgrenze, aber das erschien uns doch angesichts dieser Patientin auch nach Rücksprache mit den Angehörigen sehr unwahrscheinlich.

Nach Rücksprache mit dem Hersteller des Drogentests, in diesem Fall http://oekonomed.de

wird die Sache klarer. Es gibt eine 6-seitige Liste (die wir hier leider nicht veröffentlichen dürfen) mit möglichen Kreuzreaktionen zwischen dem Schnelltest und verschiedenen Medikamenten.

In unserem Fall hat wahrscheinliche die Einnahme von Pantozol einen THC-Konsum vorgetäuscht. Ranitidin kann Metamphetamine vortäuschen.

Als Ursache der Somnolenz vermuten wir im Nachhinein eine Kombination aus Anämie und Hypothermie.

Nach 2 Stunden war die Patientin wach und zu allen Qualitäten orientiert.

Diese zwei Artikel beschäftigen sich mit Drogenschnelltests und möglichen Interaktionen:

http://www.healio.com/orthopedics/journals/ORTHO/{E98EF187-30EE-4C8A-BE36-47D0C7FAC694}/A-Review-of-the-Methods-Interpretation-and-Limitations-of-the-Urine-Drug-Screen

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21507878

 

diesen Artikel weiterempfehlen

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Für Ihren Kommentar gelten die Nutzungsbedingungen der Internetseiten der DGINA e.V.: http://dgina.de/blog/nutzungsbedingungen