Eine 28 yr. junge extrem kachektische Patientin mit Anorexia nervosa, derzeit ohne psychotherapeutische Anbindung stellt sich vor wegen Übelkeit und Erbrechen. Aus Anamnese ergeben sich HInweise auf eine weiterbestehende psychiatrische Ursache, allerdings ist der Bauch recht hart und ubiquitär druckschmerzhaft.
Die Vitalere: RR 100/60, HF 92/m, SO2 98% unter RL, Temp 36.5°C, Schmerz NAS 7/10
Eine initiale Sonographie zeigt eine nahezu den gesamten Bauchraum ausfüllende flüssigkeitsgefüllte Struktur. Nach Anlage einer Magensonde, die mässig Magensekret ohne Blut fördert erfolgt der Entscheid zu einer CT-Bildgebung…
Ideen?
Gehen wir noch mal einen Schritt weiter. Es handelt sich nicht um eine pathologische Struktur per se. Es handelt sich um ein Organ, dieses ist aber erheblich pathologisch verändert. Sehen Sie einmal auf die röntgendichte Rohrstruktur in der Mitte…. Ich poste noch einen Transversalschnitt:
OK, das riesige organ, welches den gesamten Bauchraum ausfüllt ist…. der Magen! Und was von aussen schon nicht gut aussieht sieht meist auch von innen nicht so gut aus:
Und wie gehts weiter? Zunächst mit munterem Raten, ich verabschiede mich in eine Woche Urlaub…



Mehr Schnitte wären hilfreich. Wo liegt die Struktur? Retroperitoneal? In der Mesenterialwurzel?
ich überlege gerade: kann das in richtung hungerödem gehen? wie ist der untersuchungsbefund des abdomens?
Ich glaub nicht dass es ein Ödem ist. Im rechten OB sieht man freie Flüssigkeit und die hat eine leicht andere Dichte (neben der GB). Könnte es vielleicht ein Lymphangiom der Mesenterialwurzel sein?
Eine lange bestehende magenausgangsstenose?
klar, an ein hungerödem habe ich auch zuerst gedacht. andererseits: psychisch hats da ganz schön was (extreme kachexie), atypischer ct-befund: da denke ich auch über eine akzidentelle ursache nach….
weitere Infos im Fliesstext des Artikels….
Ist das etwa das Kolon?
Könnte es ein Megasigma sein?
Und wie gieng es weiter? Was wurde gemacht? Wie geht es der Patientin?
Wie lautet die Lösung bei diesem Fall? Schaue täglich nach der Auflösung, vermisse sie aber noch. Vielen Dank im Voraus für den sehr interessanten Fall.
Die Lösung lässt aus gutem Grund auf sich warten, der Fall ist noch immer offen…
OK, nun die abschliessende Zusammenfassung:
In der notfallmässig durchgeführten Gastro, die unter prophylaktischer Intubation bei stark erhöhter Aspirationsgefahr durchgeführt wurde zeigte sich ein gigantisch distendierter Magen mit nahezu ubiquitärer Mucosaischämie (s. Bild). Es wurde zunächst versucht mittels Schonung, Dekompression und kleinen Sondenkostdosen konservativ vorzugehen und so eine Magenverkleinerung zu forcieren. Ca. 14 d später kam es zu einer akuten hämorrhagischen Schocksituation mit Magenruptur und A. gastrica sin Blutung mit Notwendigkeit einer Massentransfusion, Gastrektomie und Splenektomie. In der Folge bei Peritonitis und zusätzlicher Colonperforation mehrmalige Re-Laparotomien und Stomaanlage. Letztlich Verlegung in Reha für Essstörungen in recht gutem AZ.
Und wie kam es zu dem distendierten Magen und der Mukosaischämie?