L.A. confidential – CPR ohne Thoraxkompression?

Heute ist wieder ein typischer Samstag im November. Trüb, schmuddelig … Ideal, um sich mit aktuellen Themen auseinanderzusetzen. Sie wissen, dass vor 2 Wochen die Jahrestagung der amerikanischen Kardiologen war. Insgesamt war der Kongress nicht so schlagkräftig, wie früher. Trotzdem gab es ein paar sehr interessante Entwicklungen.

Zunächst möchte ich Sie auf ein Videopodcast auf www.theheart.org hinweisen (Direkter Link hier). Für www.theheart.org können Sie sich kostenlos registrieren lassen. Eine aktuelle und gute Präsentation kardiologischer und notfallrelevanter Themen.

Prof. Valentin Fuster von New York, einer der weltweit bekanntest Kardiologen diskutiert wichtige Findings, welche auf dem AHA präsentiert wurden. Das Video hat schon seine Länge, ist aber wirklich wert anzusehen und zu hören.

Absolut spannend und “Paradigm shifting” war eine Pro-/Contra Session zum Thema Stellenwert der Chest-Kompression bei Reanimation. In Skandinavien, wo Chest Compression offensichtlich exzellent appliziert wird, liegt die Überlebensrate bei Out-of-hospital cardiac arrest bei 4%, in einer aktuell auf der Heart Rhythm Society vorgestellten Studie aus Piacenza, Italien, liegt die Überlebensrate OHNE Chest Compression über 35%!!!! Dort wird offensichtlich nur mittels AED gearbeitet. Von den Autoren der italienischen Studie wird eine prospektive randomisierte Studie zur Chest Compression gefordert! Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die echokardiographische Visualisierung der kardialen Füllung unter Chest Compression eher einen Backflow in die Lunge zeigt. Aus meiner Sicht hochinteressant! Die Ergebnisse dieser Diskussion werden ebenfalls in einem Videopodcast gut präsentiert. Diese Pro/Con Session ist offensichtlich nicht als Video-OnDemand auf der offiziellen Kongressseite anzusehen. Schade! Aber es gibt einen sehr guten Kommentar des Con-Agonisten Bardy im N Engl J Med 2011. Hier werden seine Argumente bereits kurz zusammengestellt.

Zusammenfassend finde ich diese Diskussion extrem spannend. Nichts destotrotz sollten wir zunächst bei den in den Guidelines empfohlenen Vorgehensweisen bleiben. Auch die Gabe von Katecholaminen wird ja zunehmend kontrovers diskutiert. Wir berichteten und es gibt einen interessanten Übersichtsartikel im aktuellen IntensivNews (“Der Wolf im Schafspelz“). Panta rei ……

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Ein Gedanke zu “L.A. confidential – CPR ohne Thoraxkompression?

  1. Lieber Kollege Christ, die Studie aus Piazenza ist sicherlich spannend, aber n=2668 gegen n=62? Die Autoren schreiben selbst :”Limitations of this study include the small numbers treated by Progetto Vita and non-randomized populations.” Somit finde ich Ihre Behauptung:” In Skandinavien, wo Chest Compression offensichtlich exzellent appliziert wird, liegt die Überlebensrate bei Out-of-hospital cardiac arrest bei 4%, in einer aktuell auf der Heart Rhythm Society vorgestellten Studie aus Piacenza, Italien, liegt die Überlebensrate OHNE Chest Compression über 35%!!!! ” eher nicht valide. Eine Differenzierung des initialen Rhythmus, der beim Eintreffen über AED oder ähnliches abgeleitet werden kann i.e. defibrillierbar oder nich,t ist hier etwas hilfreicher. Zumal die Patienten mit primärer Asystolie schlechtere Prognose per se haben.Es muss noch sehr viel passieren, bis ich als Intensivist auf eine Thoraxkompression verzichte. In der TEE unter CPR mit Kompression kann man sehr wohl antegraden flow über RVOT und LVOT nachweisen (z.B. excellente Kompression mit AutoPulse).

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