Fancy EKG: Die lange erwartete Lösung

Ich möchte mich entschuldigen, dass es so lange gedauert hat, die Lösung der EKG-Rätsel, die ich vor einigen Wochen eingestellt hatte, nun zu präsentieren.

Als erstes möchte ich das EKG einer älteren Patientin aufgreifen und kurz erklären:

Vielen Dank für die Kommentare, die alle in die richtige Richtung weisen: Das EKG weist klare Hinweise für eine akute Koronarischämie auf. Wichtig aus meiner Sicht ist die auch von einem Kommentar erwähnte Hebung in Ableitung aVR zu beachten. Dies ist ein wesentlicher Hinweis für eine schwere koronare Dreigefäßerkrankung bzw. für eine mögliche Hauptstammstenose. Ein Patient mit einem derartigen EKG ist hoch-gefährdet. Die Leitlinien empfehlen bei Vorliegens eines NSTE-ACS in einer Hochrisikokonstellation eine invasive Abklärung der Patientin innerhalb von 120min! Die Koronarangiographie wurde durchgeführt, es ergab sich folgender Befund: Koronare 3-Gefäßerkrankung mit  hochgradige Stenosen mittlerer LAD, D1, D2 und RCA, CX-Okklusion) und einer kardialen Dekompensation (Nt-proBNP 6858 pg/ml). Die Patientin wurde rekompensiert und innerhalb von 2 Tagen am Herzen operiert. Sie hat einen koronaren Dreifach-Bypass erhalten.

Didaktisch spannender finde ich das EKG eines jungen (bitte keine Lacher!) Patienten ,  der sich mit Thoraxschmerzen vorgestellt hat.

Das EKG zeigt einen akzelerierten idioventrikulären Rhythmus (den Kommentaren von Lupo muss absolut gratuliert werden! Toll!) und kein typisches Blockbild im Sinne eines Linksschenkelblocks ‘(obwohl dies die BW-Ableitungen suggerieren. Das EKG wurde nicht verpolt, die Extremitätenableitungen sind nicht LSB-typisch!).  

Beim AIVR handelt es sich um einen ventrikulären Rhythmus, dessen Frequenz zwischen 60 und 100 SChlägen pro Minute ist. Dieser Rhythmus ist das Resultat eines akzelierten ventrikulären Fokus (deshalb keine typische LSB Morphologie!), dessen IMpuls rascher ist als der zugrundeliegende Sinusrhythmus. Der AIVR kann mit oder ohne AV-Dissoziation auftreten. Im Setting eines akuten Koronarsyndroms (hier vorliegend) ist der AIVR ein Hinweis für eine Reperfusion (in Lysezeiten haben wir sehnlichst auf einen derartigen Rhythmus “gewartet”).

Konkret wurde bei diesem Patienten umgehend eine invasive Abklärung durchgeführt. Es zeigte sich eine schwere koronare Dreigefäßerkrankung, in gleicher Sitzung wurde der R. circumflexus dilatiert und gestentet.

Hier ist das Coro-Bild:

 Wirklich spannende Fälle!

Ein AIVR findet auch in ca. 8% der Fälle bei bekannter Kardiomyopathie statt. Meines Wissens hat dies z.B. bei dilatativer KMP keine therapeutische Konsequenz. Als Ersatzrhythmus bei Sinusarrest ist die Grunderkrankung zu behandeln.

Danke für die Diskussion!

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