Ein Evergreen – Kardiogener Schock

Der kardiogene Schock begleitet mich seit einigen Tagen: Angefangen bei einer aktuellen N Engl J Med Arbeit aus Deutschland (randomisiert, prospektive Multicenterstudie), in der überraschenderweise bei fast 600 Patienten gezeigt werden konnte, dass eine IABP bei Patienten mit kardiogenem Schock und umgehender Revaskularisierung keine Überlegenheit gegenüber der intensivmedizinischen Standardtherapie hat. Sehr überraschend …. und auch ernüchternd. Die Studie ist methodisch einwandfrei durchgeführt …. IABP ade, zumindest für diese Indikation.

Und dann war in einer Session über kardiovaskuläre Notfälle am letzten Tag des EuSEM in Antalya nochmals der kardiogene Schock dran: Kollege Prof. M. Möckel aus Berlin fasste nochmals kurz die wichtigsten Punkte bei der Behandlung des kardiogenen Schocks zusammen. In der elektronischen Tabelle 1 sind die wesentlichen Punkte eines Artikels aus dem Dt. Ärzteblatt zusammengefasst (siehe S3-Leitlinien kardiogener Schock):

Extrem wichtig ist schnelles, geplantes Handeln, nicht lange Fackeln, nicht lange Überlegen: kein langes Verkabeln, Instrumentieren auf Intensivstation etc.; der betroffene Patient MUSS umgehend ins Korolabor – der zentrale Punkt ist möglichst zeitnah die verschlossene Koronararterie wieder zu eröffnen. Zumindest konnte bei diesem Vorgehen ein Benefit gezeigt werden.

Auch die Gabe von Katecholaminen soll sehr zurückhaltend durchgeführt werden. Wenn notwendig natürlich selbstvertändlich, aber so niedrig dosiert und so kurz wie möglich. Levosimendan ist trotz der z.T. enttäuschenden Studienlage ebenfalls eine Option.

Und dann gibt es noch einen hervorragenden Übersichtsartikel zur milden Hypothermie bei kardiogenem Schock in Intensiv-News, der als Aufhänger eine prospektive Untersuchung zur milden Hypothermie bei kardiogenem Schock hat. Dieser Artikel ist ausgezeichnet geschrieben und stellt in hervorragender Weise dar, dass die milde Hypothermie offensichtlich nicht nur neuroprotektive Wirkungen nach Reanimation hat, sondern vermutlich das systemisch inflammatorische Syndrom bei kardiogenem Schock positiv beeinflusst. Zu bedenken ist jedoch, dass die großen randomisierten Hypothermiestudien keine Patienten nach Reanimation und kardiogenem Schock rekrutiert haben (war Ausschlußkriterium). Viele der postulierten positiven Effekte ist aus kleineren Studien und natürlich aus tierexperimentellen Untersuchungen. Trotz der etwas schwachen Datenlage wird die milde Hypothermie auch bei kardiogenem Schock (nach Reanimation) empfohlen.

 

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