7. EuSEM meeting in Antalya – Toxikologie

Lars Lomberg hat ja schon ganz kurz über seine Teilnahme an einer Session über Intoxikationen berichtet. Ich war heute in einer Session, in der die häufig genutzten Intoxikationen mit “Life Style Drugs” diskutiert wurden.

Kollege F. Eyer vom Tox-Zentrum München hat einen hervorragenden Vortrag über die Therapie des Delirium tremens bei Alkoholentzug gemacht. Zum einen ist er kurz auf die “Alkohol Withdrawal Scale” eingegangen. In Abhängigkeit von der erhaltenen Punktzahl wird ein differenziertes Vorgehen abgeleitet. Dies bedeutet ambulante Therapie mit Benzos bis zu einer abgestuften und differenzierten Therapie, welche stationär erfolgen muss. Sehr plastisch waren für mich seine Ausführungen zu den verschiedenen Wirkungen von Alkohol und daraus abgeleitet die verschiedenen Therapeutika die eingesetzt werden.

Kurz zur Rekapitulation:

  1. Benzodiazepine bleiben die Therapie der Wahl. Ausreichend hoch dosieren! ggf. Midazolam Perfusor.
  2. Antipsychotika wie Haloperidol oder Olanzepin sind bei Agitation geeignet, um in Kombination mit Benzodiazepinen die Agitation bzw. Halluzination zu therapieren.
  3. Thiamin ist als additivum immer obligat!
  4. Die Verwendung von Clonidin ist geeignet, wenn es zu einer (nor)adrenergen Stimulation kommt (z.B. Hypertension etc.). Immer häufiger wird – wie auch ein finnischer Kollege beschrieb – Dexmetedomidine in dieser Indikation eingesetzt (hab da auch derzeit einen Artikel zu reviewen. Momentan ist die Substanz bei uns zu teuer!)
  5. Und dann was Neues für mich: Die Kombination mit antiepileptischen Substanzen scheint hinsichtlich Behandlungsdauer von Vorteil zu sein. Kollege Eyer aus München berichtet von einem Vorteil von Valproat vs Carbamazepin. Anlass, dies mal im Detail aufzuarbeiten.

Und dann gab es noch einen sehr interessanten Vortrag über Life Style Drugs (welche u.a. auch als “Badesalz” und allen anderen möglichen Namen vertrieben werden.

Wir haben oft gar nicht mehr den Überblick, was es alles gibt. Eine gute Info-Quelle ist die Datenbank der EMCDDA. Gibt interessante Einblicke. Klinisch häufig gar nicht so relevant, weil Intoxikationen mit diesen Substanzen sowieso nur “symptomatisch”, also individuell nach Präsentationssymptomatik therapiert werden. Aber es ist einen Blick wert. Und ebenfalls hilfreich ist die Page der Europäischen Toxikologen.

Eine praktikable Vorgehensweise haben unsere australischen Kollegen zusammengefasst. Lesenswert!

Und nicht verschweigen will ich Ihnen einen aktuellen Zeitungsartikel in der Huffington Post von Ende September 2012 (das Leben ist schon verrückt, oder? Aber so richtig knusper ist der Typ auch nicht) und einen interessanten Clip von ABCnews, den uns der Referent empfohlen hat. Erklärt, weshalb man gelegentlich an “Physical Restraint” nicht vorbeikommt. Wobei ein “chemical take down” auch als Option berücksichtigt werden sollte.

Offensichtlich bietet YouTube noch mehr zu “bath salts”…. Aber wahrscheinlich kennen Sie diese Clips schon. Trotzdem viel Spaß!!!

diesen Artikel weiterempfehlen

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Für Ihren Kommentar gelten die Nutzungsbedingungen der Internetseiten der DGINA e.V.: http://dgina.de/blog/nutzungsbedingungen